Blau

Und dann klärten sich die Wolken, indem ein Riss hinein fuhr und der Himmel in einer Spur von Blau licht zu erahnen war. Und das Blau erglühte so von Zuversicht und barg in diesem Moment alles, was es geben kann und was die Seele warm versöhnt und sie ein Lächeln ganz hinein schickt, das auf den Lippen dann nur noch zu erahnen ist.

In diesem blauen Riss, der von Sekunde zu der nächsten sich verwandelte und an Größe zu- und eine Fläche annahm, erglühte dies jähe Reißen in der Brust und im lieben Leib, das zerrte zäh an mir und ich war nicht mehr so von-selbst-verstanden mit dem Boden eins, wie wir es immer kennen, nein, ich flog in den Sog, und in das Blau hinein, und ich sah einen Kern in dem Ganzen nicht und da wurde die Luft so kühl und so gerade geboren, so niemals-zuvor-geatmet, wie ich es immer erträumt hatte.

Und dann barst mein Blut durch seine Wände und strömte aus, nicht im Kreis, ganz durch mich durch und in Richtung des Blaus, dessen Tiefe ich für den Bruchteil eines Augenblinzelns kurz ermessen konnte und dann wieder nimmermehr. In Richtung dessen, streckt´ ich mich empor und fast wäre mein Blut zu meinem Zeigefinger raus geschossen, der, mir voran, kochend, wie mein ganzer Leib, schoss hinauf, hinein, in das Blau und dann wurd´ immer klarer, was ich nie geglaubt: Von, ich sage Sekunde zu Sekunde, die meine Fantasie mich hoch und höher zog, in einem ganz konstanten, blitzeschnellen Sog, rissen nicht nur meines Blutes Wände, nein auch die Wände des Ermessens von Zuständen und Gedanken, Zusammenhängen und Engen und ich schälte mich in ein Gefühl, das mich wie neu gebar, das mich mehr und mehr wissen ließ, das Gewicht dessen, was ich anfing ganz schleichend zu begreifen, freite den Kopf, der längst sich verstreute in die frischen Massen…von Luft und Atem, so viel, wie ich will.

Das Gewicht wird immer weniger fühlbar und ich gleite. Gleite.

Je mehr ich weiß, desto mehr wird das Blau um mich herum zu zartem Rosa und wie lange ich jetzt schon auf diesem Weg bin, weiß ich nach und nach, nicht mehr.. Wasserfläche unter mir.. und  bald ist es nicht mehr nur die Welt, von der ich stamme, es ist was, das zu begreifen ich jetzt lernen muss..

 

Wenn ich wüsste, wer ich bin, wäre ich vielleicht viel weniger. Viel! Weniger.

 

 

 

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